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Bibelgarten am Edersee - Adamsfeld 35 - 34513 Waldeck

Station 1

Begegnung in der Wüste

Der Quellstein

Die Geschichte des Volkes Israel beginnt in einer Wüstenlandschaft. Die Erzeltern waren Nomaden. Sarah und Abraham, Isaak und Rebekka, Jakob, Rahel und Lea zogen mit ihren großen Familien und ihren Bediensteten durch Steppen und Wüsten auf der Suche nach Nahrung und Wasser für ihre Schafe, Ziegen und Kamele wie auch für sich selbst. Der Quellstein markiert die Abhängigkeit von den Wasserstellen. Nicht ohne Grund hat die Quelle in der Bibel eine hohe symbolische Bedeutung für Leben und Glauben, wie es fast archetypisch und in allen Religionen zu finden ist. „Du führst mich zum frischen Wasser“ wird im Psalm 23 von Gott als dem guten Hirten gesagt; in einem anderen Psalm „bei dir ist die Quelle des Lebens“ (Psalm 36,6).

Aber der Quellstein will auch an ein besonderes Wunder erinnern: 40 Jahre wanderte das Volk Israel nach seiner Befreiung aus der Sklaverei durch die Wüste. Dabei gab es oft Durststrecken. Bei einer extremen Trockenheit wären die Flüchtenden fast verdurstet. Überdies fangen sie an zu streiten. Sie murren und schimpfen auf Mose, sie hadern mit Gott. Ist das der Weg, der in die Freiheit führt?! – Themen wie sie uns aktuell auf der Welt beschäftigen und sicher noch lange beschäftigen werden: Trockenheit, Wassermangel, Flucht, Schuldzuweisungen, populistische Umsturzbewegungen. - Wie reagieren die Verantwortlichen? Wie reagiert das Volk? Wie sollten wir reagieren? – Nachher wird es in den Geschichten der Bibel wie ein Wunder erzählt: sie sind durchgekommen. Wasser kam aus dem Felsen und alle wurden gerettet an diesem Ort „Massa und Meriba“ (2. Mose 17, 1-7).

Der Trockenbrunnen

Die biblischen Brunnen sind immer wieder Orte von Konflikten und bitterbösem Streit: Es geht, wie heute, vor allem um Ressourcen („source“!), um die Versorgung mit dem, was man zum Leben braucht. Die einen schöpfen zu viel Wasser aus einem Brunnen, der allen gehört, die anderen müssen dursten. Man gräbt Brunnen auf dem Land der anderen, was anders vereinbart war. Die einen schütten den anderen die Brunnen zu – und umgekehrt (1. Mose 26, 12 -33)

Schließlich kann der Brunnen zum „Tatort“ werden. Das erzählt die Geschichte von Josef und seinen Brüdern (1. Mose 37). Josef, ein „Nachkömmling“, ein Vatersöhnchen, ist meist zuhause. Die älteren Brüder kümmern sich draußen ums Vieh. Er trägt gerne ausgefallene Kleidung. Der Vater Jakob schenkt ihm einen bunten Rock, damals selten und teuer. Manchmal besucht Josef die Brüder an der Arbeit. Einmal erzählt er ihnen, was er in der Nacht so geträumt hat: dass sie sich später einmal alle vor ihm verneigen werden. – Das ist zu viel! Die Brüder rasten aus bei diesem narzisstischen, eitlen Bürschlein. Sie werfen ihn in einen trockenen, aber tiefen Brunnen, wo er sterben wird. Nur der älteste Bruder hält es nicht aus, er wird dem Vater Rechenschaft geben müssen. Also ziehen sie Josef wieder aus dem Loch und verkaufen ihn an eine Karawane von Sklavenhändlern nach Ägypten. Auch hier erkennen wir unsere Lebensthemen: Streit unter erwachsenen Geschwistern, oft lange und hart ausgetragen. Wie kann es enden? Gibt es andere Lösungen? Wird man jemals wieder zueinander finden, sich gar „versöhnen“?

Die Fußabdrücke und „der brennende Dornbusch“

Unterhalb des Trockenbrunnens rechts von der Treppe sieht man zwei Fußabdrücke im Boden. Wie ein Zeichen, dass man hier den ersten Schritt in den Bibelgarten tun kann. Und wirklich markieren die Füße einen grandiosen Start in der Geschichte Israels. Mose, ein Nachfahre des vor langer Zeit nach Ägypten verkauften Josef, hütet in der Wüste seine Schafe. (2. Mose 3) Er ist vielleicht ein bisschen zu weit gegangen an dem Tag. Aber auch sonst geht er gerne weit raus. Er versteckt sich, weil man ihn sucht. Er hatte aus Wut einen ägyptischen Aufseher getötet, der einen israelitischen Sklaven geschlagen hatte. Plötzlich sieht Mose einen Dornbusch in der Wüste, der brennt und nicht verbrennt, - so wie es sich oft in ihm selbst anfühlt. Da ruft jemand aus dem Busch seinen Namen, „Mose“. Er sagt, „hier bin ich“. Dann hört er die Aufforderung, „zieh deine Schuhe aus, der Ort, auf dem du stehst, ist heiliges Land“. – Im Laufe dieser Szene zeigt sich, dass Gott selbst aus dem Busch spricht, aus dem Feuer. Er gibt Mose den Auftrag, sein Volk aus der Sklaverei zu führen. Als Mose wissen will, wer da zu ihm spricht. Da sagt die Stimme aus dem Busch „Ich bin, der ich bin“. Gott zeigt sich, und bleibt zugleich verborgen, bleibt ein Geheimnis. - Wie wichtig ist das für alle, die meinen über Gott Bescheid zu wissen! -

Doch dieser Name „Ich bin, der ich bin“ sagt zugleich: Ich bin da. Ich werde für euch da sein. Ihr könnt mich darin erfahren, dass ich euch in die Freiheit führen will. Gott will keine Unterdrückung und Ausbeutung von Menschen

All das verdichtet sich an diesem Punkt. Ein guter Ort für uns heute, zu überlegen: Wo werde ich angesprochen? Wofür kann ich eintreten? Was wird mir zugetraut? - Und in einem anderen Sinne sagen die Fußabdrücke, nicht jeder Schritt, den du gehst, ist selbstverständlich. Vielleicht musst du etwas ändern, deine alten Schuhe ausziehen, den ausgetretenen Pfad verlassen.

Das betrifft auch - wörtlich verstanden - die Art, wie wir ein Stück Land betreten, so wie hier diesen Garten: Sind wir achtsam genug? Welche Fußspuren hinterlassen wir – auch ökologisch gesehen? Wie gehen wir über unsere Erde, was zerstören wir dabei? Und was wären erste Schritte, anders aufzutreten: Achtsam, sensibel, im Sinne einer befreiten Schöpfung und einer guten Zukunft für uns alle: „Zieh deine Schuhe aus, der Ort, auf dem du stehst, ist Heiliges Land.“

Johannes, der Täufer

Weiter rechts steht Johannes der Täufer. Er war ein Prophet, ein wacher Geist, der vieles im Blick hatte und sagte, was andere verschwiegen. Er trat auf in der Wüste, wird erzählt (Matthäus 3,1-6). Er predigte Umkehr: dass Menschen ihr Leben ändern sollten, vor allem im Sinne von Nächstenliebe und sozialer Gerechtigkeit, gegen Betrug und Korruption auch der Reichen und Mächtigen. Sogar den König Herodes prangert er an, der seinen Bruder umbringen ließ, um dessen Frau zu heiraten. Die Leute kommen in Scharen zu ihm und hören, was er sagt. Er tauft sie im Jordan, der an dieser Stelle durch die Wüste fließt. Johannes ist selbst eine starke eine Figur – und kann doch andere starke Personen gelten lassen. Als er Jesus kennenlernt und Jesus sich von ihm taufen lässt, merkt er, dass dies ein ganz besonderer Mensch ist. Er wirbt bei den Leuten darum, auf ihn zu hören. Johannes ist einer, der Aufmerksamkeit gewinnen und sie doch teilen kann. Eine seltene Eigenschaft. Und was für ein Vorbild für uns heute, wo unsägliche Schlachten um die Aufmerksamkeit geschlagen werden.

Die Heuschrecke

Johannes führt ein sehr einfaches Leben. Er ist ein Asket. „Er lebte von Heuschrecken und wildem Honig“, heißt es, also von dem, was er in der Wüste findet. Das macht ihn noch einmal interessant. Die Heuschrecke neben ihm auf dem Boden soll es für uns interessant machen. Nicht nur als Hinweis auf die Dürrekatastrophen in Afrika, die Heuschreckenschwärme zur biblischen Plage werden lassen und etwas mit der von Menschen gemachten Klimaveränderung zu tun haben. Auch mit der Einsicht, dass es anders geht: Heuschrecken liefern wertvolles tierisches Eiweiß für Menschen, die sich nicht vegan ernähren möchten. Ein Bruchteil von Klimagasen entsteht bei der Zucht von Heuschrecken gegenüber der Haltung von Rindern.

Bleibt noch der Hinweis, dass man hier in der Nähe des Täufers unter freiem Himmel eine Taufe mit der Familie feiern kann, nicht nur oben in der Kirche oder unten am See.

Sand

Der im Land der Bibel oft zu findende Sand ist ein Bild für das, was man nicht zählen kann: Unendlich viel, nicht zu kontrollieren, - auch nicht festzuhalten, er rinnt einem durch die Finger. So stammt unsere Redensart „wie Sand am Meer“ aus der Bibel, wo sie oft verwendet wird, z.B. Josua 11, 4. Dies kann negativ oder positiv gemeint sein, als schier unüberwindliche Zahl von Bedrohungen aber auch als die Menge der verheißenen Nachkommen, wobei dann das Bild vom Sand zum „Staub“ wechseln kann (1. Mose 28,14). Aber auch das achtsame Staunen über die unendliche Fülle der Gedanken Gottes kann im Vergleich zum Sand, der nicht zu zählen ist, seinen Ausdruck finden. Jesus warnt an einer Stelle, sein Haus „nicht auf Sand“ zu bauen, (Matthäus 7, 24-29), was ebenfalls im Deutschen zu einer Redensart geworden ist. Eine spanische Redensart würdigt, wenn Personen nur kleine Beiträge zu einer Sache leisten können: „Sie haben ihr Körnlein Sand dazu gegeben.“

Fels

Der Fels wind häufig im Kontrast zum Sand verstanden: Er taugt als Fundament (Matthaus7, 24-29). In den meisten Texten wird er positiv verwendet: „Du stellst meine Füße auf einen Felsen“ (Psalm 40,3). Der Fels wird sogar zu einem Gottesbild: „Du bist mein Fels und meine Burg“ (Psalm 31,4 – der Bibeltext, aus dem Luthers Lied „Ein feste Burg ist unser Gott“ entstanden ist). Aber das schier Unzerstörbare, was Menschen für absolut sicher halten, muss, wenn es nötig ist, einer Kraft weichen, der man diese Wirkung kaum zugetraut hätte: „Ist nicht mein Wort wie ein Hammer, der Felsen zertrümmert?!“ (Jeremia 23,29)

Ginster

Die Ginsterwurzel reicht sehr tief. Die Pflanze kann in der Trockenheit lange überleben. Die Wurzel kann das letzte sein, das man in einer großen Hungersnot aus dem Wüstensand gräbt und verzehrt (Hiob 30,4).

Wacholder

Nach einer alten Übersetzung ist es ein Wacholder, nach neuen Versionen ein Ginsterbusch, unter dem der Prophet Elia sich nach einer langen Flucht vor denen, die ihn umbringen wollen, hinlegt. Er ist verzweifelt, ausgebrannt; er weiß, dass er große Fehler gemacht hat. Er will nicht nur schlafen, sondern sterben. Es ist eine der wenigen Stellen der Bibel, die von diesem Wunsch spricht. „Es ist genug, Herr, nimm nun meine Seele“. Da kommt ein Engel, rührt ihn an, gibt ihm zu essen und zu trinken. Elia kommt wieder zu Kräften und macht sich auf den Weg zu einer neuen Aufgabe (1.Könige 19,4-8).