Station 3
Heilkräftige Begegnungen
In dieser Station des Gartens finden sich etwa genauso viele Pflanzenarten wie in den anderen drei Stationen zusammen. Es wird kleinteilig. Man begegnet nicht den großen biblischen Erzählungen, sondern vor allem den Pflanzen selbst, kann sie anschauen, betasten, riechen und schmecken.
Es sind Küchen- und Heilkräuter, wie sie auch in Kloster- oder Hausgärten wachsen.
Pflanzen mit direktem biblischem Bezug
Ihr Anteil ist gering, denn viele der Pflanzen gedeihen nicht in unserem Klima (z.B. Zimt, Myrrhe und Weihrauch). Andere sind auch in der Bibel auffällig selten erwähnt, obwohl sie damals vermutlich häufig verwendet wurden. Als Heilmittel für frische Wunden wird - etwa in der Geschichte vom barmherzigen Samariter (Lukas 10,34) - meist nur von „Öl und Wein“ berichtet, kaum von anderen Kräutern. Wollte sich das biblische Gottesvolk damit bewusst abgrenzen von dem, was durch die Naturreligionen bei benachbarten Völker in Alltag und Glaubenspraxis eine viel größere Rolle spielte? Oder waren Küche und Bett, kochen und Krankenpflege, eine Sache der Frauen, deren Lebenserfahrungen bei den überwiegend männlichen biblischen Autoren oft wenig berücksichtigt wurden? Beides wird heute aus christlicher Sicht anderes gewertet. Deshalb bekommt die reichhaltige Zusammenstellung der Heil- und Küchenkräuter in unserem Bibelgarten insgesamt einen besonderen Platz.
Die Wegwarte zählt wie auch der Wermut zu den Bitterkräutern, die bis heute jüdische Menschen beim Passahfest daran erinnern sollen, wie bitter die Sklaverei war und ist. (2. Mose 12,8).
Aus Lavendel wird duftendes Öl gewonnen, das an die „köstliche Narde“ erinnert, mit der Maria Jesus die Füße gesalbt hat (Johannes, 12,3).
Der Rizinus-Strauch lieferte Jona Schatten in der Hitze (Jona 4,6-11). Rizinusöl ist als Abführmittel bekannt.
Ysop kann der Reinigung dienen. Er enthält scharfe, desinfizierende Substanzen (Psalm 51,9) Auf einem Ysop-Rohr wurde Jesus am Kreuz ein Schwamm mit Essig für seinen Durst gereicht (Johannes 19,29).
Knoblauch und Zwiebel wurden damals vermutlich reichlich verwendet, werden aber nur einmal in der Bibel und sogar noch zusammen genannt. Sie gehören zu dem, wonach sich das Volk in der Wüste zurücksehnt, als es unter den schweren Bedingungen der Wüstenwanderung an Ägypten zurückdenkt (wie auch an „die Fleischtöpfe Ägyptens“ – 4. Mose 11,5).
Dill und Minze wurden als Gewürze günstig auf jedem Markt gehandelt. Man gab selbst für sie „den Zehnten“, wie es das Gesetz sagte. Jesus kritisiert, dass man dafür das Wichtigste, das Gott von uns will, vernachlässigt hat: Barmherzigkeit und Glauben (Matthäus 23,23).
Leinkraut brauchte man zur Herstellung von Leinen, aus dem zum Beispiel das Leichentuch Jesu gewebt war (Johannes 19,40) oder aus dem man sich die Kleider der Engel vorstellte – in reinem Weiß ( Offenbarung 15,6).
Symbolpflanzen
Daneben sind in dieser Station Pflanzen zu finden, die über ihre Namen oder ihre Wirkung auf die Bibel verweisen können:
Das vielfach heilkräftige Johanniskraut (hilfreich bei Stress, Überreizung, Depression; als Öl bei Sonnenbrand und Hautverletzungen) blüht um den 24. Juni, dem Gedenktag Johannes des Täufers.
Pfingstrose – wirkt krampflösend, wird eingesetzt gegen Gicht und Rheuma
Christrose, blüht „mitten im kalten Winter“ – in allen Teilen giftig, wurde früher eingesetzt bei Depressionen oder Epilepsie.
Frauenmantel und Storchenschnabel, fördern die Fruchtbarkeit und lindern Schmerzen bei „Frauenleiden“. – Sie erinnern daran, dass viele Paare in der Bibel lange auf die Geburt ihres ersten Kindes warten mussten (Sara, Hanna, Elisabeth).
Unkraut & Beikraut
Dornen und Disteln finden sich im Bibelgarten nicht nur, weil sie gepflanzt sind, sie kommen auch „von allein“, aus dem Boden, aus den fliegenden Samen der Umgebung. Sie erinnern einerseits daran, dass wir nicht mehr im Paradies leben, wo uns „das Essen in den Mund wächst“. Nach dem ersten großen Bruch und der Zerstörung der Beziehungen zwischen Gott, Mensch und Natur, sehen wir, dass der Acker uns „Dornen und Disteln trägt“, und wir viel harte Arbeit für eine gute Ernte aufwenden müssen. (1. Mose 3,18,19)
Doch da ist vor allem in einer industriellen Landwirtschaft heute Vorsicht angesagt: Mit zu viel „Sorge“ schaden wir uns selbst und tun der Natur nichts Gutes.
Die Lilien auf dem Felde sind besser gekleidet als der legendäre König Salomo, „in all seiner Pracht“ (Matthäus 6,26). Sie laden uns ein, selbstkritisch mit unseren Sorgen umzugehen.
Ein Viertel des Ackers, auf den Menschen säen kann so viel Weizen bringen, dass die Ausfälle auf den anderen Dreivierten durch Trockenheit, schlechten Boden oder „Schädlingsbefall“ ausgeglichen wird, sagt Jesus in seiner Geschichte „Vom vierfachen Acker“(Lukas 8,5-8).
Auch für das Unkrautjäten rät Jesus zu Sensibilität: Es kann sein, dass wir beides nicht unterscheiden können und mit dem einen das andere bekämpfen. – Diese sehr schlichte Geschichte aus alter Zeit hat an Aktualität für Landwirtschaft und Gartenbau heute nichts verloren (Matthäus 13,29).
Erde als Symbol
Ein besonderes Augenmerk gilt der Erde, die hier im Kräuterbeet zu sehen ist. Eine dünne Schicht fruchtbarer Mutterboden auf unserem „blauen“ Planeten bringt fast alles hervor, was die Menschheit zur Ernährung braucht. Dieses Wunder wird in der Schöpfungsgeschichte gleich zweimal genannt. „Es lasse die Erde aufgehen Gras und Kraut, das Samen bringe und fruchtbare Bäume …“ (1. Mose 1,11, und 2,9). Gott macht sogar den Menschen aus Erde; und die Menschen erkennen es immer wieder selbst: Wir sind von Erde genommen und werden wieder zu Erde werden (1. Mose 3,19 u.a.). Gott selbst schließt einen Bund mit der Erde nach der Katastrophe der Sintflut, er will die Erde nie mehr zerstören (1. Mose 9, 13 u. 17).
So wird die Erde ein Ort oder eine Materie, die an einer guten Beziehung des Menschen zu Gott teilhaben soll: die Erde kann sogar singen und Gott loben (Jes. 49, 13.) Schließlich kann sich die Bibel eine gute Zukunft unserer Lebenswelt nicht geistig oder himmlisch (oder auf dem Mars!) vorstellen: Sondern nur so, dass Gott „einen neuen Himmel und eine neue Erde“ schafft (Offenbarung 21).