Konzept
Was steckt dahinter?
Das übergreifende Thema des Bibelgartens ist „Begegnung“. Die Besuchenden gehen durch vier Stationen. Sie begegnen den biblischen Geschichten und Worten, die jeweils den Charakter einer Station prägen. Sie begegnen einander. Sie begegnen sich selbst.
Das kann durch eine Führung oder das Abrufen von Informationen angeregt und vertieft werden.
Die Begegnung hat aber zuerst ihre Kraft aus sich selbst. Hier soll niemand belehrt oder bekehrt werden – auch wenn man viel lernen und die Ausrichtung des eigenen Lebenswegs neu justieren kann. Begegnung ist ein Dialog. Das meint: lass dich ansprechen von deinem Gegenüber und sprich es selbst an. Geh hinein in diese kleine Welt. Was kommt dir entgegen? Was bringst du mit? Was sind deine Fragen, deine Ideen? Was macht dich neugierig? Was lässt dich staunen? Was sagt dir diese Blüte, dieser Baum, dieser Stein? Wozu bekommst du Lust?
Mit allen Sinnen erfahren - Kein Museum
Anders als in dem Botanischen Garten einer Universität sollen hier nicht nur ausgefallene Pflanzen mit ihrem lateinischen Namen auf einem Schildchen mit Abstand betrachtet werden. Hier wird eingeladen, auch sinnliche Erfahrungen zu machen.
Man kann:
- sich die Hände benetzen am Quellstein (kein Trinkwasser!) - sich als Liebespaar zu zweit im Brunnenspiegel sehen.
- Seine Füße in den Barfußabdruck Moses stellen
- Barfuß durch die Wüste laufen
- Felsen betasten
- Auf der Mosaikschlange balancieren (rutsch nicht aus auf dem, was dich lockt!)
- Sich in das große Herz setzen; auf den eigenen Herzschlag achten.
- Mit Jesus und den Jüngern Abendmahl feiern im Garten Gethsemane
- Heilkräuter riechen und schmecken
- Seinen Kopf auf einen Stein legen und von der Himmelsleiter träumen
- Sich hinsetzen. Gar nichts tun. Ausruhen, aufatmen, da sein. Auf den See schauen oder in die Wolken. Den Vögeln zuhören, dem Wind lauschen oder den spielenden Kindern.
Klein aber fein
Viele erleben die besondere Gestaltung des Bibelgartens als attraktiv. Bei aller Offenheit hebt er sich wie eine kleine Landschaft von der Umgebung ab. Felsbrocken, Trittsteine und Sitzwürfen sind einheitlich aus einem Material, dem Ibbenbürener Sandstein. Sogar der Wüstensand stammt aus diesem Ort in Westphalen. Insgesamt ist der Garten mit 550 Quadratmetern Fläche überschaubar. Aber er hat es in sich. Klein aber fein, könnte man sagen. Natürlich kann man auf 139 Quadratmetern nur begrenzt eine Wüste sinnlich erfahrbar machen. Das ist nur exemplarisch und in Andeutung durch ausgewählte Symbole möglich. Die Vielzahl der biblischen Anknüpfungspunkte im Bibelgarten zeigt jedoch, wie man bereits mit wenigen elementaren Gegenständen einen Zugang zu der Fülle der Botschaften ermöglichen kann, die in dem 1000 Seiten starken „Buch der Bücher“ enthalten sind.
Der Garten als spiritueller Ort
Geh hinein… geh in dich.
Der Garten ist bewusst nicht als ein „hortus conclusus“ konzipiert, wie man es zum Beispiel aus der klösterlichen Tradition kennt. Er ist kein geschlossener Garten, kein umfriedeter Raum, von dicken Mauern oder hohen Hecken geschützt gegenüber Einblicken oder ungebetenen Gästen. Seine Umfriedung liegt darin, dass er einlädt, hinzugehen und einzutreten. Sich von dem anziehen zu lassen, was es dort zu sehen gibt und dabei das andere, was einen sonst beschäftigt, loszulassen. „Ziehe deine Schuhe aus, der Ort, auf dem du stehst, ist heiliges Land“, sagen einem die Abdrücke der nackten Füße des Mose gleich unten beim Betreten der Wüste - sie sagen es mit einem Augenzwinkern. Man kann den Bibelgarten verstehen wie einen Sakralraum im Freien. Die Dichte der Verweise oder die Impulse, sich mit Fragen seines eigenen Lebens zu beschäftigen, führen auf spirituelle Pfade: Ich lasse mich berühren, gehe in mich, verbinde mich mit diesem Ort: Bin ich vielleicht selbst ein Garten? Was für Schätze ruhen in mir, was wächst Neues, was braucht Pflege, Wasser, Nahrung, was braucht mehr Raum? Oder was ist längst vertrocknet und abgestorben, was muss zurückgeschnitten werden?
Schließlich stellen die Möglichkeiten, an besonderen Stellen im Bibelgarten eine Taufe zu feiern, eine Trauung oder das Abendmahl, den Ort nicht nur räumlich in die Nähe einer Kirche.
Nicht nur für Christen
Alle sind willkommen und alle können mit ihrer Art zu denken und zu glauben den Garten erleben. Katholische Christen bringen vielleicht mit ihren Erfahrungen von Prozessionen, Kreuzwegen oder Kräutersegnungen im Freien ohnehin eine Offenheit für religiöses Erleben in der Natur mit. Jüdische Menschen wissen um die hier vertretenen Pflanzen nicht nur aus ihrer Heiligen Schrift. Von der Feier des Laubhüttenfestes und den dabei genutzten floralen Symbolen ist ihnen vieles vertraut. Ebenso werden muslimische Menschen hier an viele Geschichten aus dem Koran erinnert oder sie freuen sich über das reiche Spektrum orientalischer Gewürzpflanzen wie viele von ihnen es aus ihren Kochbüchern kennen.
Achtsam werden
Gott in der Natur begegnen
Nicht zuletzt ist der Garten hochinteressant für alle, die heute ohne Religion nach Sinn suchen in der Natur. In der Sensibilität für die von uns Menschen verursachte Gefährdung der Natur und in der Entwicklung neuer Achtsamkeit für ein dauerhaft und nachhaltig gutes Miteinander verbinden sich viele Menschen - auch mit unterschiedlicher religiöser Prägung oder ohne sie.